Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere niederdeutsche Sprache und Literatur

Station 1: Klaus-Groth-Denkmal

Quickborn-Lieder, die wirksamsten Werke Groths

Einen Plan für das Denkmal des Dichters, selbst Entwürfe dazu gab es sogar schon zu Lebzeiten des Dichters, aber man bekam nicht genug Geld dafür zusammen. Paul Fuß, Kiels Oberbürgermeister, hatte im Jahr der Errichtung des Denkmals zwar auch kein Geld zu vergeben (im Jahr vorher war das neue Rathaus fertig, doch viel zu teuer geworden), aber er hatte die rettende Idee:

Der Verschönerungsverein plante einen repräsentativen Brunnen für Kiel, bekam dafür jedoch auch nicht genug Geld zusammen. Nun entwickelte Paul Fuß die Empfehlung, beide Projekte zu verbinden zu einem Groth-Brunnen. Und das macht Sinn, denn Groths wichtigstes und wirksamstes Werk hat ja den Namen "Quickborn" was man ungefähr mit "lebendiger Quell"übersetzen kann. Das Buch zeichnet in seinen Gedichten die Landschaft Dithmarschen in der Sprache der Landschaft, und dort ist Groth in Heide geboren. Die Wappen von Heide und Kiel (wo Groth gestorben und begraben ist) sind deshalb an beiden Seiten unmittelbar neben der Zentralfigur angebracht.

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Er sprudelt wieder ... -  seit 2002. Leider nur gelegentlich

Überlebensgroß steht da die von Heinrich Mißfeldt geschaffene Bronzegestalt des Dichters, rechts und links vom Mittelblock sind aus dem Muschelkalk Bilder als Reliefs herausgearbeitet, die jeweils Situationen aus Dichtungen Groths darstellen, meist — aber nicht nur — aus Quickborn-Gedichten. Die liedhaften Werke der Sammlung haben überhaupt die größte Wirkung erzielt, und das bis in unsere Tage. Sie haben viele Komponisten zu Vertonungen angeregt. Neuerdings hat ein in Schleswig-Holstein maßgeblicher Chorleiter, Peter Höhne (der übrigens aus Sachsen stammt), eine Bibliographie von Groth-Liedern zusammengestellt und ist dabei zu bemerkenswerten Zahlen gekommen. 1149 Vertonungen von platt- und hochdeutschen Gedichten Groths hat er verzeichnet, davon 890 Kompositionen von Gedichten in Plattdeutsch. Eine ganze Reihe von Gedichten ist mehrfach vertont worden, so "Min Modersprak, wa klingst du schön" 26 mal, "Keen Graff is so breet" 32 mal, "Still min Hanne, hör mi to!" 34 mal, "Ik wull, wi weern noch kleen, Jehann" 35 mal, "He sä mi so veel" 36 mal und "Lütt Matten, de Has" gar 74 mal. Aber zu diesem Gedicht ist auf der nächsten Station noch mehr zu sagen.

 

Wie das Denkmal von Groths Werken erzählt

Von den Dichtungen, die am Brunnen im Bild dargestellt sind, sind übrigens nicht alle Lieder, aber die meisten. Ganz links ist es das Wiegenlied "Still, min Hanne, hör mi to", in dem der "böse Mann", vom Mond in Schach gehalten, draußen bleibt. Rechts davon befindet sich eine Szene aus "Familjenbiller", einer Folge erzählender Gedichte, und zwar aus dem Teil, "De Sünndagmorgen", in dem es u. a. um die Frage einer möglichen Auswanderung geht. In dieser Gruppe spiegelt sich teilweise, aber eben nicht durchgängig das Leben der Familie Groth. Es folgt daneben die "lüttje Burdiern", die mit ihrer schweren Milchtracht barfuß vom Melken kommt und der ein junger Mann seine Hilfe anbietet. Er will ihr die Milch und womöglich noch sie mit tragen. Auf der andern Seite der Statue kommt dann "Schön Anna" ins Bild, von deren Schönheit und Strickkunst sich "De Fischer" gefangen fühlt. Weiter rechts schließt sich eine Darstellung aus "De Heisterkrog" an, einem umfangreichen Epos in Blankversen, das erst in "Quickborn zweiter Teil" erschienen ist und das Groth selbst als seine bedeutendste Dichtung angesehen hat. Auch andere kompetente Urteiler wie Geibel, Liliencron und manche andere Kenner haben dies Werk geschätzt, bei dem es um einen im frisch eingedeichten Koog von einem tüchtigen Fremden gegründeten Hof und tragische Verstrickungen seiner Bewohner geht.

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Reliefdarstellung des Liedes "Lat mi gan, min Moder slöppt"

Den Abschluss der Reihe bildet wieder ein Lied, "Lat mi gan, min Moder slöppt", in dem ein Mädchen sich beim Wächterruf von ihrem Liebsten trennt, um nicht vor der Tür von ihrer Mutter entdeckt zu werden. — Ein paar Sprüche, die Groth in späterer Zeit als Auftragsarbeit für den Friedrichstädter Marktbrunnen geschrieben hat, sind auch noch auf dem Stein zu finden, dazu noch eine Strophe aus dem Gedicht "Min Modersprak" und ein munterer Spruch "Nu frei di an de schöne Welt". Nach diesem, allerdings sehr lückenhaften Überblick über das Werk Groths kann es nun weitergehen zur nächsten Station, dem Platz, wo einst das Haus der "Mutter Brandis" stand.

Text: Prof. Dr. Ulf Bichel.

Bildnachweis: Abb. 1: Foto Ulf Bichel. Abb. 2: Foto Reinhard Goltz, aus: Jahresgabe der Klaus-Groth-Gesellschaft, Bd. 45, Heide 2003, S. 125. Abb. 3: Titelblatt von Klaus Groth, Quickborn, 25. (Jubel-)Auflage, Kiel/Leipzig 1900. Abb. 4: Foto Ulf Bichel.