Didaktik der deutschen Sprache

Sprachdidaktik, Sprachdiagnostik und Sprachförderung im Bereich „Wortschatz und Semantik“

Leitung: Prof. Dr. Jörg Kilian (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Mitarbeit: Dr. Tobias Heinz, stud. Hilfskraft: Marike Sörensen

 

Die Arbeit an diesem Projekt wurde 2006/07 an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg im Rahmen einer umfassenderen Untersuchung zur modularen Sprachförderung begonnen: "Implementation und Evaluation von Bausteinen eines Sprachförderprojekts in vier Hauptschulen mit hohem Anteil von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Familiensprache" (gemeinsam mit: Prof. Dr. Reinold Funke [Baustein „Leseverstehen“], Prof. Dr. Anne Berkemeier [Baustein „Textproduktion“], Dr. Susanne Riegler [Baustein „Rechtschreibung“] sowie mit Lehrkräften an vier Hauptschulen im Rhein-Neckar-Kreis. Erste empirische Erhebungen zur produktiven und rezeptiven lexikalisch-semantischen Kompetenz wurden an einer Hauptschule in Mannheim durchgeführt (vgl. Sprachförder-Projekt: daktylos-Bericht). 

Das Projekt zu "Wortschatz und Semantik" wird in Kiel fortgeführt,  zugleich als eigenständiges Forschungsprojekt neu akzentuiert: Das Projekt fokussiert, zum einen, in besonderer Weise die Fachwortschätze der Unterrichtsfächer als Teile der bildungspolitisch geforderten und schulisch zu fördernden lexikalisch-semantischen Kompetenz (vgl. z.B. Kilian 2010d, 2012e). Dieser Fokus steht in Zusammenhang mit der Untersuchung der sprachlichen Gestalt(ung) des Wissens in der universitären und schulischen Lehre (vgl. "3. Wissensdomäne Bildung und Schule"). Ein zweiter Fokus greift die lange Zeit in Vergessenheit geratene Frage nach Zusammenhängen zwischen Wortschatz, Semantik und sozialer Herkunft auf (vgl. Sprachförder-Projekt: unizeit-Bericht, CAU Kiel, Sprachförder-Projekt: Dokumentation März 2010). Dabei wird der Begriff der "sozialen Herkunft" in einem weiten Verständnis zugrunde gelegt (als soziolinguistische Parameter dienen u.a. "Sozialschicht", "Migrationshintergrund", "Bildungs(sprach)nähe/-ferne").

Im Sommersemester 2008 wurden dazu erste Erhebungen zur lexikalisch-semantischen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern einer Kieler Hauptschule durchgeführt (vgl. Kilian/Isermann 2010a, Kilian 2011a). Im Wintersemester 2012/13 erfolgte eine Grundlegung und erste Erhebung zum Fachwortschatz der Unterrichtsfächer (vgl. vorbereitend Kilian 2010d, 2012e; im Überblick Kilian 2015).

Unter anderen werden folgende Aufgabenstellungen bearbeitet:

  • Zusammenstellung und kritische Bewertung vorhandener Wortschatztests;
  • Erarbeitung neuer (reliabler, valider, objektiver/standardisierter) Ansätze und Methoden der empirischen Erhebung von Wortschatz- und lexikalisch gebundenem Bedeutungswissen (Sprachstand relativ zu Lernaltern; bezogen auf schulische Fächer und Stufen [Primarstufe, Sekundarstufen]); 
  • Dokumentation von Sprachbiographien in Bezug auf die Entwicklung der lexikalisch-semantischen Kompetenz;
  • Erhebung der produktiven und rezeptiven Wortschatzkompetenz;
  • Definition des Begriffs „Sprachförderung“ in Bezug auf Wortschatz- und lexikalisch gebundenes Bedeutungswissen (Förderung zum Zwecke der Befähigung zur Lösung kommunikativer, kognitiver, rezeptiver/perzeptiver, produktiver/ konzeptueller u. a. Aufgaben);
  • Feststellung und Beschreibung von Einflussmöglichkeiten unterschiedlicher Ansätze und Methoden der Sprachförderung im Bereich Wortschatz und Semantik;
  • Formulierung von Kompetenzen, Standards und Aufgaben in Bezug auf Wortschatz- und lexikalisch gebundenes Bedeutungswissen relativ zu Lernaltern sowie sozio- und varietätenlinguistischen Abgrenzungen von Wortschatzbereichen (z. B. Standardsprache, Fachsprachen);
  • Definition und Zusammenstellung eines nach sozio- und varientätenlinguistischen Kriterien sowie nach gesellschaftlichen Kommunikations- und Praxisbereichen (einschließlich der Schulfächer) begründeten „Grundwortschatzes“, relativ zu Lernaltern und sprachlicher Herkunft;
  • Evaluation der Effektivität von Fördermaterialien im Bereich "Wortschatz und Semantik".