Deutsche Sprachwissenschaft

Aktuelle Projekte & Tagungsorganisation

Laufende Projekte:

Habilitationsvorhaben: Geltung und Fakzitität. Studien zum Modalsystem des Deutschen im Grenzbereich von Sprachphilosophie und kognitiver Grammatik. (Arbeitstitel, seit 2021)

Sich einer erneuten Untersuchung von Modalität (und Modalverben) im Deutschen zu stellen, stellt ein fast waghalsiges Unterfangen dar – dies hat vor allem zwei Gründe: 1. Die Fülle von Untersuchungen zur Modalität erweckt den Anschein, dass kaum mehr Desiderata verblieben sind und die linguistische Forschung Modalität in allen Nuancen erschlossen hat. 2. Gerade aufgrund der Fülle von Untersuchungen ist es fast unmöglich, einen Forschungsstand exhaustiv aufzuschlüsseln und abzubilden, sodass man stets in Gefahr läuft, zentrale Erkenntnisse unberücksichtigt zu lassen. Die Aufnahme eines Forschungsvorhabens zur Modalität bedarf also einer eingehenden und fachinstrinsischen Begründung, die sich den in den Punkten 1. und 2. Genannten Bedenken zu verwehren vermag. Allerdings sind - wie bspw. auch Scherr (2019: 430) für epistemische Modalverben festhält - einige elementare Desiderata verblieben.

Die Modalitätsforschung hat, gerade weil sie insgesamt als recht weit entwickelt gelten kann, das Potenzial als Erprobungsgegenstand für neue(re) Untersuchungsmethoden herzuhalten. Es existiert ein recht umfassender Forschungsstand, sodass auf eine breite Basis konventionalisierter Erkenntnisse zurückgegriffen werden kann, vor deren Hintergrund die Ergebnisse neuerer Verfahren und theoretischer Grundlagen beurteilt werden können.

Dass Forschungen zur Modalität in derart großer Zahl vorliegen liegt auch daran, dass es sich bei der Bezeichnung Modalität um die Sammlung verschiedener grammatischer Phänomene handelt. Neben den ((nicht-)epistemischen) Modalverben (müssen, dürfen, können, sollen, wollen, mögen/(?)möchten, (?)brauchen) zählen dazu auch Modalpartikeln (eben, etwa, aber, schon, doch, eigentlich), Modaladverbiale (möglicherweise, sicherlich, vielleicht), (modale) Adjektive (der mutmaßliche Täter, die wahrscheinlichste Antwort) sowie Verwendungen bestehend aus Kopulaverb + zu-Infinitiv (Das ist nicht zu beweisen. Das wäre noch zu erledigen). Bisherige Arbeiten haben in aller Regel einen Teil dieser Elemente fokussiert (entweder epistemische oder nicht-epistemische Modalverben, ausschließlich Modalverben oder Modalpartikeln usw.). Eine exhaustive Betrachtung des Modalsystems des Deutschen hat m. W. noch nicht stattgefunden, könnte allerdings substanzielle Erkenntnisse zur Funktionalität des Modalsystems des Deutschen liefern, indem die Strukturen der einzelnen Teile der Modalität miteinander in Beziehung gesetzt werden. Diesem Desiderat nimmt sich die vorliegende Arbeit an. Damit einher geht das Ziel, die Leistungsfähigkeit der Konstruktionsgrammatik (im Folgenden: KxG), die den Anspruch erhebt, eine holistische Theorie sprachlichen Wissens zu sein (vgl. Goldberg 2003: 219; Stefanowitsch 2011: 15-16), im Hinblick auf epistemische (und nicht-epistemische) Formen der Modalität zu beleuchten. Gerade die Beschreibung des Zusammenhanges von Epistemik und Wissenstheorie bzw. wissensbasierten Grammatiktheorie (am Beispiel der KxG) ist ein Kernanliegen der hier zu skizzierenden Untersuchung. Die (sprach­-)philosophische Fundierung der Grammatiktheorie ist bisher zu kurz gekommen, was zu einem unausgewogenen theoretischen Fundament führt, das sich auch in unklaren Umrissen des Untersuchungsgegenstandes selbst offenbart.

Erkenntnisinteresse: Bestimmung der Grundzüge der Modalität des Deutschen im Grenzbereich von Sprachphilosophie, Kognitiver Anthropologie und Kognitiver Grammatik inklusive Testung der Leistungsfähigkeit der Ansätze.

 

Der Ort der Sprache im Leben. Eine linguistische Anthropologie (seit 2021)

Es stellt sich im Themenfeld Sprache und Kultur, deren Zusammenhang eines der am vielfältigsten behandelten Projekte darstellt, allerdings gewissermaßen zwangsläufig die Frage, warum es einer erneuten Auseinandersetzung bedarf, wenn doch erst jüngst Jäger et al. (2016) gezeigt haben, dass das Thema auf fast 1000 Seiten beschreibbar ist. Nun gibt es auf diese Frage, die gleichwohl auch als Einwand verstanden werden kann, zwei verschiedene Antworten. Die eine ist – so könnte man sagen – soziologischer Natur, die andere nimmt eine linguistische Perspektive ein. Zunächst zur Soziologie: Der Zusammenhang von Sprache und Kultur muss allein schon deshalb von Zeit zu Zeit einer Neubestimmung unterzogen werden, da beide Entitäten, sowohl Sprache als auch Kultur, keine statischen Gebilde, sondern dynamische Elemente sind, die selbst einem stetigen Wandel ausgesetzt sind, woraus die Notwendigkeit entsteht, auch ihr Verhältnis einer neuerlichen Reflexion zu unterziehen. Diese Studie ist in dieser Perspektive also als Gegenwartsdiagnose zu verstehen, das einerseits die sprachlich formierten Lebenswelten des Alltages untersuchen und andererseits daraus die Position der Sprachwissenschaft ableiten möchte. Die linguistische Antwort ist, dass innerhalb der Erforschung des Zusammenhanges von Sprache und Kultur ein zentraler Punkt bisher unberücksichtigt geblieben ist bzw. nicht ausreichend expliziert wurde: die Kognition. Die folgenden Überlegungen versuchen also ein Modell zu explizieren, dass eine Einfaltung von Sprache, Kultur und Kognition versucht.

Das Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten - Rekonstruktion, Edition, Analyse (seit 2018)

Das "Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten zur Zeit Adolf Hitlers" ist eine Sammlung von 300 Schallplatten regionaler Varietäten anlässlich des Geburtstags Hitlers im Jahr 1937. Das Lautdenkmal wurde vom Reichsbund deutscher Beamten initiiert und organisatorisch durchgeführt. Das Ziel des Editionsprojektes (Leitung: Dr. Christoph Purschke, Luxemburg) ist folgendes: "Im Rahmen des Projektes soll das Lautdenkmal erstmals komplett digitalisiert und ediert werden, inklusive der nachträglich erhobenen Aufnahmen für Österreich und das Sudetenland. Zudem soll das erhaltene Kontextmaterial (Transkriptionen, Übersetzungen, Aufnahmeprotokolle, Korrespondenz) digital gesichert und erschlossen werden. Darüber hinaus geplant ist die Rekonstruktion der Zeitungsüberlieferung zum Lautdenkmal, das - dem Interesse des Reichsbundes der Deutschen Beamten geschuldet - als Mittel der nationalsozialistischen Propaganda eingesetzt wurde." (weitere Infos hier).

Projektrelevante Publikationen:

Toke Hoffmeister & Verena Sauer (2020): "Un jetz aufn deutschen Stroum asu ze fohrn..." / "... dormit de Föihrer mit uns tofräden is". Charakteristika des Lautdenkmals reichsdeutscher Mundarten am Beispiel zweier Aufnahmen aus Bayern und Schleswig-Holstein. In: Markus Hundt, Andrea Kleene, Albrecht Plewnia, Verena Sauer (Hrsg.): Regiolekte - objektive Sprachdaten und subjektive Wahrnehmung. (Studien zur deutschen Sprache 84). Tübingen: Narr.

Toke Hoffmeister & Verena Sauer (2018): "Und ein Leem, ihr Leut!" - Sprachliche Vielfalt im Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten.", Posterpräsentation im Rahmen des Forschungstages "Vielfalt" des Collegium Philosophicum der CAU Kiel, 5.07.2018, Kiel, PDF

Abgeschlossene Projekte:

"Sprachwelten und Sprachwissen. Theorie und Praxis einer kognitiven Laienlinguistik" (2017-2021)

Die Dissertation erscheint 2021/2022 in der Reihe Sprache und Wissen im de Gruyter-Verlag.

Projektrelevante Publikationen:

[i.V., 2021] Das laienlinguistische Konzept der Variation. Regional - funktional - sozial. In: Elisabeth Scherr & Arne Ziegler (Hrsg.): In Stadt und Land. Perspektiven variations- und soziolinguistischer Forschung. Linguistik Online. [peer reviewed]

[i.V., 2021] Sprachkonzepte in der Öffentlichkeit - Kognitive Repräsentationen von System und Gebrauch der deutschen Sprache. In: Toke Hoffmeister, Markus Hundt & Saskia Naths (Hrsg.): LaienWissenSprache. Konzepte, Anwendungsfelder und Perspektiven der Folk Linguistics im deutschsprachigen Raum. Berlin, Boston: De Gruyter.

[2020c] Der Laie als Experte. Mit wem haben wir es in der Wahrnehmungsdialektologie eigentlich zu tun? In: Niederdeutsches Wort 60. (gemeinsam mit Markus Hundt und Saskia Naths)

[2020b] Die Aktivierung inaktiver Wissensbestände. Zur Repräsentation dialektologischen Wissens. In: Markus Hundt, Andrea Kleene, Albrecht Plewnia & Verena Sauer (Hrsg.): Regiolekte - objektive Sprachdaten und subjektive Wahrnehmung. Tübingen: Narr, 157-184.

[2020a] Subjektive Grammatikalitätstheorien. Entstehung, Verbreitung und forschungspraktische Konsequenzen. In: Deutsche Sprache 3/2020, 233-248. [peer reviewed]

[2019] Laien als Experten und Experten als Laien. Zur Problematik eines etablierten Begriffspaares. In: Yvonne Hettler, Andrea Kleene, Lars Vorberger (Hrsg.): Aktuelle Sprachvariationsforschung. Zugänge und Tendenzen. Linguistik Online 99/6, 151-174. [peer reviewed]

Tagungsorganisation

LaienWissenSprache5.09. - 7.09.2019 an der CAU Kiel

Nähere Informationen gibt es auf der Homepage der Tagung.

Ein Tagungsbericht ist erschienen: Henrik Schmidtke (2019): Internationale Fachtagung „LaienWissenSprache“ Kiel, 05.–07. September 2019. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 86/3, 331-338.