Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere niederdeutsche Sprache und Literatur

Station 5: Kunsthalle

Familie Hegewisch — eine Stütze für Groth

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Blick über die Kieler Förde, 2012

Durch den Schlossgarten führt der Weg — zur Wasserseite hin — auf die Kunsthalle zu. Dort ist im Eingangsbereich eine Bronzetafel angebracht, die an die Stiftung von Lotte Hegewisch erinnert, die dies Grundstück "Klein Elmelo" der Kieler Universität vermacht hat mit der Bestimmung, dass dort eine Kunsthalle errichtet werden sollte. Es war die zweite in Kiel errichtete Kunsthalle. Die erste stand an der Dänischen Straße in dem schmalen Streifen neben dem sogenannten Rantzaubau des Schlosses. Sie wurde beseitigt, als das Schloss für den Kaiserbruder Prinz Heinrich umgebaut wurde. Zum Kummer des Kunstvereins — für den sich Lotte Hegewisch, aber u. a. auch Klaus Groth einsetzten - mussten die Kunstwerke für etliche Jahre in einem Schuppen untergebracht bleiben. Aber zu Hegewisch, Klein Elmelo und Groth ist noch mehr zu berichten.

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Caroline (1786-1856) und
Franz Hermann Hegewisch
(1783-1865), 1845

Die Familie Hegewisch war nämlich in den Jahren zwischen 1852 und 1855 eine der wichtigsten Stützen für Groth. Besonders gilt das für "Mutter Hegewisch", eine geborene von Linstow, die von dem Gut Elmelo bei Delmenhorst stammte. Sie war in Mitgefühl und in Kritik emotional in jener Zeit wohl der wichtigste Anhalt für Groth. 1854 hat er Karoline Hegewisch vier hochdeutsche Sonette gewidmet, deren letztes auch direkt auf diesen Ort anspielt. Es lautet:

Ich stand allein, mir selber Stab und Stütze ⁄ Gleich einem Baum am abgelegnen Orte, ⁄ Doch fühlt ich, wie mir Blüt′ und Blatt verdorrte, ⁄ Und endlich sank ich hin vor Frost und Hitze. ⁄⁄ Wie kam ich doch zu deinem Elmensitze? ⁄ Und schlich mich zagend durch die kleine Pforte. ⁄ Es war ein Hauch von deinem Mutterworte ⁄ Mir zugeweht, daß es das Herz mir schütze. ⁄⁄ Denn siehe, meine Mutter war zu Grabe, ⁄ und meine Liebe war in Rauch zergangen, ⁄ Und meine Thränen meine ganze Habe. ⁄⁄ Ach habe Dank, daß du mich lieb empfangen! ⁄ Du hast vielleicht an meinem Wanderstabe ⁄ Der Blumen duftigste mit umgehangen.

Auch Lotte Hegewisch hatte für Groth Bedeutung. Sie hatte für Groth das Zimmer bei Mutter Brandis besorgt und es mit Gaben auch von Freundinnen sogar eingerichtet. Groths Stellung zu ihr war allerdings zwiespältig. Sie war ihm zu bestimmend.


Text: Prof. Dr. Ulf Bichel.

Bildnachweis: Abb. 1: Ernst Schlee, Kulturgeschichtliches Bilderbuch vom alten Kiel, Kiel 1977, S. 43. Abb. 2: Foto Ulf Bichel. Abb. 3 und 4: Inge Bichel, Ulf Bichel und Joachim Hartig, Klaus Groth. Eine Bildbiographie, Heide 1994, S. S. 65, 93.