Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere niederdeutsche Sprache und Literatur

Station 4: Kieler Schloss

Groth als Museumsdirektor und Dozent

Nächstes Ziel ist — der Schlossstraße folgend — das Kieler Schlossgelände. Am Vorplatz dazu steht heute die Kieler Konzerthalle. Bis zum Zweiten Weltkrieg führte hier noch eine schmale Straße, die Kattenstraße, zum Hafen hinunter, und an dieser lag, zum Schloss zu, das "Museum vaterländischer Altertümer". Hier gibt es schon wieder eine Beziehung zu Groth. Bevor das Museum an dieser Stelle eine größere Heimstatt erhalten hat, war es in einem Hof in der Schuhmacherstraße untergebracht, und in dieser Zeit war Groth — nach Prof. Müllenhoffs Weggang — zeitweise dessen Direktor. In dieser Zeit hat er auch einmal Detlev von Liliencron einen ausgegrabenen Ring mit der Inschrift "Min Leev" gezeigt — und Liliencron hat daraus anschließend ein Gedicht gemacht.

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Das Kollegiengebäude der alten
Kieler Universität, um 1910

Aber bevor der Bau an der Kattenstraße Museum geworden ist, war er das Kollegiengebäude der Kieler Universität. Als solches hatte es Sonnin, der Architekt u. a. des Hamburger "Michels", im Auftrag der großen Katharina von Russland gebaut, die zeitweise auch Herzogin von Schleswig und Holstein war. Dies Haus nun erstrebte Groth als Ort für eine gesicherte berufliche Zukunft. Er hat auch als Privatdozent das Recht bekommen an der Universität Vorlesungen zu halten und hat das über Themen der deutschen Literatur und Sprache über etliche Jahre hin auch getan. Er hat aber nie, wie er wollte, ein Amt als Professor erreicht und ist damit ohne regelmäßiges Einkommen geblieben. Nur den — unbezahlten — Titel eines Professors hat er schließlich bekommen.

Groths Kontakt zu einem fürstlichen und einem kaiserlichen Paar

Direkt zum Schloss hat Groth auch seine Beziehungen. In den Jahren vor dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 war Carl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg mit seiner Frau Wilhelmine (Tochter von Christian VI. von Dänemark und in erster Ehe mit dem damaligen Kronprinzen, jetzt König, Friedrich VII. verheiratet gewesen) das Kieler Schloss als Wohnsitz zugewiesen worden. In Kiel war das Paar beliebt, wohl nicht zuletzt deshalb, weil sich Carl zum Ärger der Kopenhagener Verwandtschaft mehrfach auf die Seite der schleswig-holsteinischen Sache gestellt hatte. Jedenfalls hat die Stadt Kiel dem Prinzen Carl aus Anlass seiner Silberhochzeit 1863 die Ehrenbürgerschaft verliehen.

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Herzogin Wilhelmine von Schleswig-
Holstein-Sonderburg-Glücksburg
(1808-1891)

Und eben zu diesem Ereignis hat Groth ein (hochdeutsches) Festgedicht geschrieben, in dem die Probleme des Paares geschickt angedeutet, aber nicht ausgebreitet werden. Sicher ist es ein Auftragswerk von geringerer poetischer Bedeutung, aber es ist doch ein Zeugnis dafür, mit welchem handwerklichen Können Groth auch solche "bestellten Stiefel", wie er derartige Produkte nannte, zu fertigen wusste. Die Feier hat dann doch nicht im Kieler Schloss stattgefunden. Dazu war die politische Situation im Mai 1863 doch schon zu unruhig.
1889 ist Groth schließlich noch zweimal am selben Tag in das Schloss gegangen, obgleich er mehrfach betont hat, er ginge nicht gern auf Schlösser. Aus Anlass seines 70. Geburtstages ist er da zuerst von Kaiser Wilhelm II. empfangen worden (wobei ihm ein Orden verliehen worden ist) und dann noch einmal von der Kaiserin Auguste Victoria.


Text: Prof. Dr. Ulf Bichel.

Bildnachweis: Abb. 1 und 2: Jens Ahlers und Wolfgang Kuessner, Kiel vor 100 Jahren. Ansichten einer Großstadt, Kiel 2010, S. 34. Abb. 3: Quelle: royaltyguide. Abb. 4: Quelle: Wikipedia.