Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere niederdeutsche Sprache und Literatur

Station 3: Nikolaikirche

Klaus Groth, Max Planck und Otto Jahn

Vom ehemaligen Haus der "Mutter Brandis" folgt der Weg den Spuren Groths zunächst in Richtung Küterstraße, da steht am Fuß des modernen hohen Bankgebäudes ein Gedenkstein, der Max Planck gewidmet ist. Klaus Groth und der geniale Physiker (der Entdecker der kleinsten errechenbaren Energieeinheit, des "Quantensprunges") haben zwar kaum direkte persönliche Beziehungen zueinander gehabt, aber manche indirekte oder lockere. Am auffälligsten für Kiel ist: Beide sind (in ihrem letzten Lebensjahr) Ehrenbürger dieser Stadt geworden. Etwas direkter schon: Klaus Groth ist (nach seiner zweijährigen Reise nach Bonn und bis in die Schweiz) gerade im Jahr vorher nach Kiel und in die Faulstraße zurückgekehrt, als Max Planck hier im ehemaligen Jahnschen Hof geboren worden ist. Weiter: Das junge Ehepaar Groth hat bald nach seiner Wohnungsnahme in Kiel gesellschaftliche Beziehungen zu den Eltern Max Plancks aufgenommen. Und Frau Groth vermutet ein paar Jahre später, dass die Initiative dazu, dass Groth der Professortitel verliehen worden ist, von Professor Planck (dem Vater) ausgegangen ist. Aber persönlich begegnet sind sich Groth und Planck auch mindestens einmal — bei einem Musikabend in engem Kreise, wo Professor Planck (der Sohn), Klavier, und Professor Bruns Violine musizierten. Groth urteilte: "schönste Musik". Die Leidenschaft für Musik war nämlich Groth und Planck gemeinsam. Und noch etwas ist an dieser Stelle zu erwähnen: Vom Jahnschen Hof stammt auch der schon 1813 geborene Otto Jahn, der der Klassischen Archäologie entscheidende Impulse gegeben und vor allem mit seiner Mozart-Biographie (der ersten wissenschaftlich gegründeten) neue Maßstäbe gesetzt hat. Er ist in Bonn zu Groths engstem Freund geworden und ist es bis zu seinem Tod (1869) geblieben.

Klaus Harms und Ernst Barlach

Über die Küterstraße (ursprünglich Straße der "Küter", der Schlachter) geht es weiter zum Alten Markt, in dessen Hintergrund die Nikolaikirche steht. In dieser hat Klaus Harms, ein weitberühmter Prediger und einflussreicher Theologe, den man auch als einen der "Kirchenväter" Schleswig-Holsteins bezeichnet hat, zuletzt gewirkt. Klaus Groth hat Harms dazu bewegt, schon für die erste Auflage des "Quickborn" ein "Vor- und Fürwort" zu schreiben, da jener sich schon früher für seine "Fru Modersprake", allerdings ohne viel Hoffnung, eingesetzt hatte. Nun begrüßt Harms dies Buch lebhaft, nicht nur wegen seiner plattdeutschen Sprache, sondern auch wegen seines Lebensgehaltes und seiner Poesie. 

 Station 3-3 Geistkaempfer.jpg Station 3-4 Wolfsgesicht.jpg

 Der "Geistkämpfer" von Ernst Barlach (1870-1938)

Das Wolfsgesicht der Tiergestalt von Barlachs
"Geistkämpfer"



An der Ecke der Kirche ist nach dem Zweiten Weltkrieg Ernst Barlachs "Geistkämpfer" aufgestellt worden. Zu ihm gibt es vermutlich auch eine Verbindung von Klaus Groth her. In seinem Drama "Der arme Vetter" hat Barlach die Zentralgestalt nach Groths Werwolffigur "Hans Iwer" genannt. Um den Kampf mit sich selbst geht es da, um schmerzliche (und letztlich tödliche) Selbstfindung.

Das Thema des Standbildes ist verwandt und die biologisch nicht zu bestimmende Tiergestalt hat ein Wolfsgesicht. Der Geist siegt, aber Wolf und Engel sind traurig. Der Zwiespalt im Menschen zwischen gut und böse ist Barlachs immer wiederkehrendes Thema. Und in der Werwolfgestalt hat er dafür eine Ausdrucksmöglichkeit gefunden.

Text: Prof. Dr. Ulf Bichel.

Bildnachweis: Abb. 1-4: Fotos Ulf Bichel.