Didaktik der deutschen Sprache

Forschungsschwerpunkte

Meine Lehrtätigkeit an der TU Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der Europa-Universität Flensburg und der LMU München umfasst sowohl die Bachelor- und Masterstudiengänge als auch die Staatsexamen- und Magisterstudiengänge. Zudem bin ich in die Beratung der Studierenden und in die Durchführung von Prüfungen eingebunden (Gutachter bei Bachelorarbeiten; Gutachter bei Staatsexamens- und Magisterarbeiten; Abnahme mündlicher Prüfungen im GHR-/LG-Bereich; Zwischenprüfungen).

Meine Schwerpunkte liegen in vier Bereichen:

  • Sprachdidaktik und Deutschunterricht in Geschichte und Gegenwart

Für den linguistischen Kernbereich ist es unverzichtbar, Studierenden einen Einblick in die Geschichte des Faches zu vermitteln, der über Saussures strukturalistische Gründung der modernen Sprachwissenschaft in die Historie zurückgeht. Dabei ist das Erkenntnisinteresse meiner Seminare und Publikationen kein 'nur' historisches; stattdessen geht es darum, Traditionslinien auszuleuchten, die bis heute nachwirken: So fragte mein Humboldt-Seminar insbesondere nach den Wirkungen dieses philosophischen Sprachstudiums (vgl. Heinz 2012) bei Whorf, Weisgerber, Trier und Chomsky. Im Seminar zu Roman Jakobson wurden die Aspekte des Spracherwerbs, der linguistischen Poetik und der Aphasieforschung fokussiert. Auch bei der Erkundung der Historisch-Vergleichenden Sprachwissenschaft mit ihren zentralen Figuren oder der Wortschatzvermittlung im deutschen Sprachunterricht von Comenius bis heute zielte der Blick nach vorn in die linguistische Gegenwart. Dieser widmet sich insbesondere der von mir mitherausgegebene und mit einer umfangreichen Einleitung versehene Band zur Deutschen Gegenwartssprache (Forster/Heinz 2010), der Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I, Studierenden im Grundstudium und Lehrerinnen und Lehrern einen kommentierten Einblick in die Forschungsdiskussion eröffnet. Die wissenschaftsgeschichtliche Linie verfolgt unter anderem der von mir mitherausgegebene Sammelband Sprachdenker (2012)  sowie die Mitarbeit im DFG-Netzwerk zur Empirisierung des Transzendentalen.

  • Lexikologie, Semantik und Wortschatzarbeit (auch unter lehr- und lerngeschichtlicher Perspektivierung und mit besonderem Fokus auf Stereotypie im interkulturellen Kontext)

Aufgrund meiner praktischen Erfahrung bei der Neubearbeitung des Paul bildet die Wort- und Bedeutungsgeschichte einen Bezugspunkt meiner Lehrveranstaltungen, den ich – Theorie und Praxis verbindend – um die Bereiche Lexikologie und Semantiktheorie erweitere und didaktisch modelliere. Historisch umfasst das Programm der verschiedenen Seminare die Stationen deutscher Lexikographie vom Abrogans über die Wörterbücher der Aufklärung und Romantik bis zur Wörterbuchlandschaft der Gegenwart. Die wissenschaftsgeschichtliche Perspektive wird dabei mit methodologischen Fragestellungen verknüpft (Mikro- und Makroschichten, Bedeutungsrelationen im Kontext einer 'vernetzten Semantik' u.a.). Innerhalb der Semantiktheorie kommt der Stereotypensemantik durch das INTERREG-Projekt Nationale Stereotype und Marketingstrategien in der interkulturellen deutsch-dänischen Kommunikation besondere Bedeutung zu. Publikationen zu diesem Bereich der Interkulturelle Kommunikation liegen vor. Die Unterrichtsperspektive nehmen der Greifswalder Workshop Wörterbuchwerkstatt zur kritischen Semantik und die Publikation (Heinz/Horn 2011) sowie Lehrveranstaltungen zu Modellen des deutschen Sprachunterrichts von Comenius bis heute und Aspekten von Fachsprachlichkeit ein. Ein spiralcurricularer Ansatz zum aktuellen Grundlagen- und Forschungswissen zur Wortschatzarbeit prägte die auf Einladung von Prof. Anja Ballis an der LMU München angebotenen Seminare zu Aspekten der Wortschatzarbeit mit einem starken Fokus auf den Bereich der Lehrkräftebildung und des Professionswissens.

  • Kindlicher Spracherwerb (Lesen und Schreiben lernen), Sprachwandel und -varietäten

Dieser Schwerpunktbereich umfasst Lehrveranstaltungen, die zum einen einer Sensibilisierung für die “innere Mehrsprachigkeit“ (Henne) dienen, zum anderen Sprache als ein grundsätzlich variables und in der Kommunikation ständig variiertes Medium entwerfen. Eingebunden ist dies in die spracherwerbstheoretische Perspektive, die Themen wie die Aneignung von Schrift oder den Ausbildung kindlicher Sprachbewusstheit oder sprachspielerische Unterrichtselemente im Anfangsunterricht umfasst. In der Lehre richtet sich mein Fokus insbesondere auf den Zusammenhang von Dialog und Diagnostik in der Lehramtsausbildung (allgemein die didaktisch-methodische Analyse von Deutschunterricht und speziell die Lese- und Schreibförderung und das fundierte Erkennen besonderen Förderbedarfs betreffend).

Die Akzentuierung des Sprachwandels entwickelte sich aus der Thematisierung der lexikalischen Sprachebene in den Lehrveranstaltungen zum Wörterbuch. Dass mit Archaismen und Neologismen jene Pole in den Vordergrund gerückt wurden, zwischen denen sich die Dynamik des Wortschatzwandels entfaltet, erwies sich als didaktisch fruchtbar und führte zu einer grundsätzlicheren Fragestellung im Hinblick auf die linguistischen Sprachwandeltheorien. Waren bereits diese Ansätze varietätenspezifisch differenziert (z.B. unter Berücksichtigung der Jugend- und Werbesprache sowie der politischen Sprache), widme ich nun den Fachsprachen (insbes. dem Fachwortschatz der Unterrichtsfächer) besondere Aufmerksamkeit.

Durch die Leitung der Wissensdomäne Bildung und Schule innerhalb des Forschungsnetzwerks Sprache und Wissen – Probleme öffentlicher und professioneller Kommunikation sind diese Themen und Fragestellungen institutionell verbunden. Hier stehen die Terminologie-arbeit und die Frage nach „Versprachlichungsformen fachlicher Sachverhalte“ im Fokus. Besondere Beachtung innerhalb dieses Bereichs erfährt die Analyse von Lehr- und Lernwerken (vgl. dazu das GAL-Symposion Linguistische Perspektiven auf das Schulbuch als Lehr- und Lernmedium – von Comenius bis heute sowie die Organisation von Veranstaltungsreihen, Tagungen, Symposien und Workshops). Publikationen zur Darstellung verschiedener sprachlich-kommunikativer Phänomene im Schulbuch des Deutschunterrichts (z.B. zur Metapher) liegen vor; sie greifen auf medientheoretische und -praktische Ansätze zurück (zum Beispiel in der Untersuchung von Text-Bild-Korrespondenzen).

  • Linguistische Poetik und Möglichkeiten ihrer Didaktisierung

Sowohl in meiner Dissertation Hofmannsthals Sprachgeschichte. Linguistisch-literarische Studien zur lyrischen Stimme als auch in meiner Lehre gilt der Beschäftigung mit literarischen Sprachformen als Ausdruck sprachkünstlerischer Kreativität meine Aufmerksamkeit. Mit Karlheinz Stierle verstehe ich Dichtung als „experimentelle Linguistik“, in der "das zentrale anthropologische Faktum der menschlichen Befähigung zur Sprache selbst immer wieder zu Bewußtsein kommt“. Seine Konkretion erfährt dieser Ansatz im Nachzeichnen der literarisch-essayistischen Sprach-Arbeit des Dichters Hugo von Hofmannsthal, dessen sprachreflexive Gedichte im Mittelpunkt meiner Dissertation stehen. Das hier entworfene Analysemodell, das die grammatisch-strukturelle, die semantische und die kommunikativ-pragmatische Ebene der linguistischen Interpretation poetischer Texte zusammenführt, wurde in mehreren Seminaren erprobt. Der Bezug linguistischer Analysemöglichkeiten auf literarische Sprachformen an der Schnittstelle von Grammatik und Text fördert die Aktivierung des Begriffssystems und Methodenarsenals (z.B. der Semantiktheorie in der Entschlüsselung des Bedeutungsgehaltes oder der Morphologie bei der Analyse kreativer Wortbildungen). Diesen Zugriff erweitere ich um die Kategorien Sprachbewusstsein und Sprachbiographie und um eine auf die Kindersprache ausgerichtete Perspektivierung (vgl. die Veranstaltungen zu Kinderbüchern an der Schnittstelle von Sprach-, Literatur- und Mediendidaktik). Eine aktuelle Erweiterung meiner transdisziplinären Arbeiten liegt in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der Kunstdidaktik und Kunstgeschichte. Das gemeinsam konzipierte Veranstaltungsprojekt Bild und Sprache Sprache und Bild  wurde  von der CAU als  „Ausgezeichnete Lehre“  gewürdigt.