Didaktik der deutschen Sprache

Wissensdomäne Bildung und Schule

Wissensdomäne Bildung und Schule innerhalb des "Forschungsnetzwerkes Sprache und Wissen"

Leitung: Prof. Dr. Jörg Kilian (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) / Dr. Dina Lüttenberg (Kashapova) (Technische Universität Braunschweig) / Dr. Tobias Heinz (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Kooperation: Prof. Dr. Birgit Brouër (Empirische Bildungsforschung, CAU Kiel), Prof. Dr. Sandra Nitz (Biologiedidaktik, Universität Koblenz-Landau)

Für gesellschaftliche Kommunikations- und Praxisbereiche sind bestimmte Wissensbestände als gesellschaftlich relevantes und erwartetes Wissen anerkannt. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um sprachlich konstruiertes und repräsentiertes Wissen und Können. Die Erzeugung und Vermittlung dieses Wissens sowie  die Verfügung darüber laufen im Begriff der „Bildung“ zusammen, der sowohl einen Prozess als auch ein Resultat bezeichnet; als wichtigste gesellschaftliche Institution der Vermittlung und Erzeugung von Bildung gilt die Schule.

Die Prozesse der Konstruktion, Aushandlung, Konstitution, aber auch der Regulierung des gesellschaftlich relevanten und erwarteten Wissens und Könnens sind, sofern es sich um in Normtexten statuiertes Wissen und Können handelt, grundsätzlich institutionalisiert, gleichwohl gesamtgesellschaft­liche Großereignisse mit sehr unterschiedlichen Mitspielern: Schüler/innen, Lehrer/innen, Student/innen, Wissenschaftler/innen, Eltern, Bildungspolitiker/innen, Wirtschaftsvertreter/­innen u.a. Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass Bildung von verschiedenen Akteuren verschieden wahrgenommen und entsprechend verschieden als Wirklichkeit konsruiert wird. Zwar scheint es, einerseits, feste Bestände dessen zu geben, was als „Bildung“, als „wertvolles“ Wissen gilt; der Begriff des „Allgemeinwissens“ bzw. der der „Allgemeinbildung“ suggerieren dies zumindest. Darüber hinaus aber sind zahlreiche Bestände des Wissens und Könnens in ihrem Bezug zum Begriff der „Bildung“ umstritten, namentlich in jüngerer Zeit, in der im institutionellen Kontext der Begriff der „Kompetenz“ zum Begriff der „Inhalte“ in Konkurrenz gesetzt scheint. In beiden Fällen, dem der Wahrung eines festen Bestandes wie dem der strittigen Bestände, wird „Bildung“ sprachlich konzeptualisiert.

Die Wissensdomäne "Bildung und Schule" widmet sich der Erforschung und Beschreibung der Aushandlung, sprachlichen Konstruktion und Konstitution von gesellschaftlich für relevant erachtetem und bildungspolitisch normiertem Wissen. Für zentrale Bereiche der institutionellen Bildung (Wissenschaftsdisziplinen, Schulfächer) werden die Erzeugung, Vermittlung und Verfügung sowie die institutionelle Normierung von sprachlich repräsentiertem Bildungs-Wissen rekonstruiert. Die Arbeit in der Wissensdomäne hat insgesamt zum Ziel, die Aushandlung, Konstruktion und Konstitution dieses Bildungs-Wissens zu untersuchen, den Diskurs zu dokumentieren und kritisch zu hinterfragen (auch z.B. in Bezug auf Ausschluss, Dominanz, Kanonisierung von Wissen). Dabei sind folgende übergeordnete Fragestellungen im Forschungsnetzwerk „Sprache und Wissen“ leitend:

  • die Frage nach der Rolle der „Sprache in der Bildung“ in der Geschichte;
  • die Frage nach der Rolle der Sprache in der kindlichen Entwicklung und in der sozialen Interaktion;
  • die Frage nach der sprachlichen Bildung und Gebundenheit von Bildung, Wissen, Können und Kompetenz aus der Perspektive der Bildungswissenschaften;
  • die Frage nach theoretischen Grundlagen der sprachlichen Wissenskonstitution und der sprachlichen Vermittlung von Wissen und Können im Kommunikations- und Praxisbereich Bildung;
  • die Frage nach »Versprachlichungsformen fachlicher Sachverhalte« auf unterschied­lichen Diskursebenen und in unterschiedlichen Sprachschichten (pädagogisch-fach­sprachlich, juristisch-fachsprachlich, politisch-fachsprachlich, umgangssprachlich u.a.);
  • die Frage nach der je spezifischen Gegenstandskonstitution im Rahmen der Ver­sprachlichung;
  • die Frage nach Möglichkeiten der Vermittlung zwischen den Gegenstandskonstitutionen verschiedener Diskursbeteiligter auf der Grundlage sprachwissenschaftlicher Analysen.
 

Die Arbeit in der Wissensdomäne Bildung und Schule wird – gleichsam im Sinne einer angewandten Diskursforschung – zudem ausdrücklich auch als praxisnahe Forschung zum Zweck einer Wissenstransformation und eines Wissenstransfers begriffen. Unterschiedliche Wirklichkeitskonstitutionen in der Wissensdomäne Bildung und Schule sollen linguistisch beschrieben und auf dieser Grundlage in der Praxis des jeweiligen Diskurses, bis hin zur Praxis in konkreten Diskursbereichen, zusammengeführt werden. Diese Zusammenführung macht Übereinstimmungen, aber auch Bruchstellen zwischen den Wirklichkeitskonstitutionen unterschiedlicher Diskursbeteiligter deutlich, was eine unabdingbare Voraussetzung für die Lösung von Problemen darstellt.

Im Rahmen dieser Wissensdomäne wurde das Handbuch "Sprache in der Bildung" erarbeitet, das jüngst erschienen ist (vgl. de Gruyter-Handbuch Sprache in der Bildung).