Didaktik der deutschen Sprache

Professur für Didaktik der deutschen Sprache

Willkommen auf den Seiten des Lehrstuhls für Deutsche Philologie / Didaktik der deutschen Sprache des Germanistischen Seminars

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„Sprachdidaktik ist die Kunst und Wissenschaft, wie man Kindern und Erwachsenen beim Lernen einer neuen Sprachform oder Sprache überhaupt helfen kann , in systematischem Vorgehen, d.h. auf klare sprachtheoretische, psychologische und pädagogische Grundlagen gestützt und mit ständigem Beobachten der sprachlichen Reaktionen sowie der dahinterliegenden Verstehensleistungen möglichst bei jedem einzelnen Lernenden." (H. Glinz: Geschichte der Sprachdidaktik, in: U. Bredel [u.a.] (Hrsg.): Didaktik der deutschen Sprache I, 2003, 17).

 

In das Zentrum dessen, was Hans Glinz „Sprachform oder Sprache“ nennt, stellt die Kieler germanistische Sprachdidaktik traditionell das Wort. Johann Gottfried Herder hat einmal davon gesprochen, dass jedes Wort zugleich „Merkwort“ und „Mittheilungswort“ sei. Das Wort wird somit sprachdidaktisch besonders interessant in Bezug auf seine kognitiven und kommunikativen Funktionen. Weil der Mensch nun nicht in einzelnen Wörtern spricht und schreibt, hört und liest, sondern in Texten, die wiederum aus Sätzen konstituiert werden, lässt sich jede Sprachform und gar die ganze deutsche Sprache vom Wort ausgehend erschließen. Sprachliches Lernen und sprachliche Bildung erscheinen vor diesem Hintergrund als Erwerb von Schlüsseln zu Sprache als Archivarin, Erzeugerin und Überbringerin von Wissen; und zum Wort, genauer: zum gesamten Wortschatz, als Trägerstruktur für dieses Wissen. Die Aufgabe der Sprachdidaktik besteht darin, diese Schlüssel selbst sowie Ansätze und Methoden des Erwerbs dieser Schlüssel zu erforschen.

 

Die eingangs angeführte Glinz’sche Definition deutet auch Bezugswissenschaften, Inhalte und Methoden der (germanistischen) Sprachdidaktik an: Als Bezugswissenschaften erscheinen die (germanistische) Sprachwissenschaft, die (Lern)psychologie und die (allgemeine) Pädagogik. Am Germanistischen Seminar ist die Sprachdidaktik eng verbunden mit der Sprachwissenschaft. Die in der Graphik angezeigten Gegenstände, z.B. die Graphem-Phonem-Beziehungen in der deutschen Orthographie, werden in der Sprachwissenschaft beschrieben; in der Sprachdidaktik wird dann untersucht, wie diese Beziehungen im Deutschunterricht am besten lernbar gemacht werden können – und wie sie tatsächlich gelernt werden. Mit dem Verweis auf das „Beobachten der sprachlichen Reaktionen“ führt Glinz nämlich zu Recht die Sprachdidaktik auch als empirische Wissenschaft ein, die neben der theoretisch begründeten didaktischen Modellierung der Inhalte auch die Voraussetzungen, Methoden und Wirkungen der Wege sprachlichen Lehrens und Lernens empirisch erforscht.