Deutsche Sprachwissenschaft

Forschungsprofil

Ich verstehe Linguistik als Wissenschaft des Versuchs, die anthropologische(n) Differenz(en) zu untersuchen. Dabei ist weniger von Interesse, was die anthropologische(n) Differenz(en) ist (sind) (ein Sprach- bzw. Sprechvermögen, eine spezielle Form des Denkens, die Fähigkeit zum selbstbewussten Leben oder zur Selbsterkenntnis und -reflexion etc.); alle Differenzen müssen für eine umfassende Sprachtheorie ohnehin betrachtet werden. Der Mensch sei dabei nicht das Thema, so Hans Blumenberg in seiner Beschreibung des Menschen; allerdings sei er, so Blumenberg (2014: Die Beschreibung des Menschen, S. 11), eine essenzielle "Fundstelle des Themas" (Blumenberg spricht sogar von 'alleiniger Fundstelle', dies wäre ggf. zu diskutieren). Die Prämisse, die aus dem Zitat Blumenbergs abgeleitet werden kann, ist, dass der Kern der Untersuchung von Sprache der Mensch als Sprecher bzw. Sprecherin ist; der Mensch wird weder exhaustiv noch isoliert betrachtet, sondern die Sprache, das Sprechen, Denken und Handeln ist Gegenstand der Untersuchungen. Weil der Mensch die essenzielle Fundstelle des Themas, der Sprache, ist, muss Sprache immer im Kontext des Menschen selbst als Sprecherin und Sprecher, Denken und Handeln im Spiegel der Sprache untersucht werden. Ein zentrales Erkenntnisinteresse ist somit das Verhältnis von Sprecherinnen und Sprechern zu ihrer (Um-)Welt bzw. ihren (Um-)Welten und alltäglichen Lebenswelten sowie die Frage, welche Rolle Sprache und Sprechen dabei spielt. Dabei verfolge ich einen phänomenologisch und anthropologisch geprägten Ansatz, der sich epistemologisch im Rahmen eines gemäßigten (Sozio-)Konstruktivismus sedimentiert; so zeichnet sich ein perspektivisches Bild der Sprecherinnen und Sprecher sowie ihres Umgangs mit Sprache. 

Meine Forschungsschwerpunkte betreffen damit (mehr oder weniger unmittelbar) die folgenden Disziplinen:

  • Laienlinguistik (Folk Linguistics)
  • Wahrnehmungsdialektologie (perceptual dialectology)
  • Angewandte Linguistik (insb. Soziolinguistik, linguistische Pragmatik, Ethnolinguistik, Polito- und Medienlinguistik)
  • Kognitive Linguistik (insbesondere kognitive Semantik/kognitive Soziolinguistik), gebrauchsbasierte Ansätze kognitiver Grammatiktheorien
  • Modalität des Deutschen
  • Diskurslinguistik/-semantik, Epistemologie
  • Sprachphilosophie
  • Sprache und Kultur

 

Theoretische Grundlagen beziehe ich zumeist aus folgenden Disziplinen:

  • Phänomenologie
  • Anthropologie
  • Erkenntnistheorie, Epistemologie
  • Sprachhandlungstheorien
  • Kulturphilosophie
  • Konstruktivismus 
  • Wissenssoziologie