Deutsche Sprachwissenschaft

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Tagung Konstruktionsgrammatik germanischer Sprachen 25. und 26. März 2020 Dresden

Gebrauchsbasierte Konstruktionsgrammatiken stehen heute vor zahlreichen Herausforderungen, die interdisziplinärer Verständigung und Aushandlung in besonderem Maße bedürfen. So wurde in den letzten Jahren besonders deutlich, dass bei der Beschreibung von Konstruktionen und Konstruktionsnetzwerken bspw. Aspekte wie Sprachnormorientierung, Konstruktionswandel, spezifischer Gebrauch in Kommunikationsdomänen, Varietäten und/oder in Sprachkontaktsituationen besonders zu berücksichtigen sind. Zum anderen zeigten zahlreiche Studien, dass die Reichweite des Konstruktionsbegriffs in Relation zu Mustern und Schemata, die adäquate Analyse von Bedeutungs- und Formseite von Konstruktionen und damit verbunden die (terminologische) Kategorisierung von Konstruktionen Gegenstände von Diskussionen sind.

Die Tagung “Konstruktionsgrammatik germanischer Sprachen” nimmt zum einen diese Fragen der Forschungsgemeinschaft auf und führt Forscher·innen zusammen, die sich den germanischen Sprachen als Gegenstand widmen, um einige der aufgeworfenen Problemstellungen im interdisziplinären Umfeld diskutieren zu können.

Zum anderen ist ein zentrales Ziel der Tagung, 32 Jahre nach Fillmore/Kay/O'Connor (1988), 25 Jahre nach Goldberg (1995) und zehn Jahre nach der ersten germanistisch-linguistischen Tagung zur Konstruktionsgrammatik 2010 in Kiel eine kritische Bilanz zu ziehen.

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Projektmitarbeiterin German Frames and Constructions, HHU Düsseldorf (Projektleitung Prof. Dr. Alexander Ziem)

In den letzten Jahren sind für verschiedene Sprachen (Englisch, Schwedisch, Brasilianisches Portugiesisch, Japanisch, Deutsch) linguistische Repositorien zur systematischen Beschreibung von lexikalischen und grammatischen Strukturen einer Sprache entstanden. Der Prototyp ist das Berkeley FrameNet, eine Datenbank miteinander verbundener Konzepte (Frames) fürs Englische fürs brasilianische Portugiesisch vgl. das FrameNet Brasil . In jüngster Zeit werden analog dazu so genannte Konstruktika entwickelt. Ein Konstruktikon ist eine strukturierte Datenbank empirisch erfasster grammatischer Konstruktionen (Form-Bedeutungspaare unterschiedlichen Abstraktionsgrades), in der sprachliche Besonderheiten einzelner Konstruktionen wie auch Beziehungen zu benachbarten Konstruktionen dokumentiert werden (vgl. etwa fürs braslianische Portugiesisch vgl. das FrameNet Brasil).

Bislang sind die verschiedenen FrameNet-Datenbanken stark von der englischsprachigen Vorlage, dem Berkeley FrameNet geprägt (so etwa bei der Auswahl der Definition oder der Benennung von Frames). Obwohl es bereits einige Untersuchungen zu sprach- und kulturbedingten Abweichungen von nicht-englischsprachigen FrameNets und Konstruktika gibt (Ziem 2014), bleiben viele methodologische Grundlagen im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit und FrameNets bzw. Konstruktika bislang unbeantwortet. In dem Projekt sollen diese methodologischen Herausforderungen aus drei Perspektiven angegangen werden:
 

  1. Aus einer kontrastiven Perspektive sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Konstruktionen bzw. Frames im Brasilianisch-Portugiesischen und Deutschen herausgearbeitet werden.
  2. Die translatorische Perspektive untersucht auf der Basis der durch kontrastive Analysen gewonnenen Kenntnisse die Wechselwirkung zwischen Frames und Konstruktionen in verschiedenen Sprachen, wobei der Fokus auf der schriftlichen Übersetzung liegt.
  3. Die technische Perspektive befasst sich mit den infrastrukturellen Rahmenbedingungen, unter denen Sprachdaten für einen Sprachvergleich auf der Ebene von Frames und Konstruktionen erstellt werden sollen; konkret sollen die technischen Voraussetzungen zur multilingualen Verknüpfung der verschiedenen Ressourcen geschaffen werden.