Deutsche Sprachwissenschaft

Edition SPhG

Edition des Specimen philologiae germanicae von Georg Philipp Harsdörffer

In einer Kooperation mit Herrn Prof. Dr. Thorsten Burkard (Klassische Philologie/Latinistik, CAU Kiel) entsteht eine Edition des bislang nur schwer zugänglichen grammatiktheoretischen Werks specimen philologiae germanicae von Georg Philipp Harsdörffer. Zusammen mit Herrn Kollegen Burkhard wird im ersten Schritt eine Übersetzung, ein Kommentar und eine sprachhistorische Einführung in das Werk entstehen.

Um die sprachhistorische Relevanz dieses Projekts zu verdeutlichen, sollen einige wenige Ausführungen genügen: Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) ist ohne Zweifel der wichtigste Kulturvermittler im deutschsprachigen Raum im 17. Jahrhundert. Sein Œuvre ist intensiv von literatur- und von sprachwissenschaftlicher Seite untersucht worden. Als gesichert kann mittlerweile auch gelten (vgl. Hundt 2000), dass Harsdörffers entscheidender Antrieb für seine umfangreiche Textproduktion die Spracharbeit war, d. h. die Arbeit an und mit der deutschen Sprache des 17. Jahrhunderts mit dem Ziel, sie den Zeitgenossen als eine den anderen europäischen Kultursprachen gleichwertige, ausbaufähige, literaturfähige Kultursprache nahe zu bringen. Dieses Movens seines Schaffens ist selbstverständlich mit den zeitgenössischen sprachtheoretischen Auffassungen eng verwoben. Harsdörffer bewegte sich sozusagen auf der Höhe der Zeit, was seine sprachtheoretischen Ansichten betraf. Umso erstaunlicher ist es, dass sein sprachtheoretisches Hauptwerk, das 1646 erschienene specimen philologiae germanicae, bis heute nicht ediert und auch nur sehr spärlich und sporadisch untersucht worden ist.

Die Vielfältigkeit und die Relevanz der Sprachauffassungen des 17. Jahrhunderts wurde in der sprachhistorischen Forschung in vollem Umfang erst in den letzten 20 Jahren erkannt. Wie wichtig das specimen philologiae germanicae Harsdörffers war, ist allein schon daran zu ermessen, wie häufig sich etwa Schottelius - gewissermaßen der Cheftheoretiker in Sachen Sprachphilosophie und -theorie - in seiner "Ausführlichen Arbeit von der Teutschen HaubtSprache" (1663) darauf bezieht.

Laut Mitteilung des zuständigen Lektors im Georg Olms Verlag (Hildesheim) ist derzeit ein Reprint des specimen philologiae germanicae geplant. Dieser Reprint wird ein originalgetreuer Nachdruck des lateinischen Textes sein, er kann jedoch nicht eine kommentierte zweisprachige Ausgabe und vor allen Dingen nicht die sprachhistorische Einordnung und Analyse des Textes ersetzen. Hier liegen die Ziele des Forschungsprojektes zur Sprachgeschichte des 17. Jahrhunderts. In diesem Projekt soll das specimen philologiae germanicae im Zentrum stehen.

Ziel des Projektes ist die Herstellung einer kritischen zweisprachigen Ausgabe (gemeinsam mit Prof. Dr. Thorsten Burkard). Daher ist mit der inhaltlichen Analyse des Textes zugleich eine Übertragung ins Neuhochdeutsche verbunden. Die inhaltliche Analyse soll schwerpunktmäßig folgende Fragen klären:

  • An welche sprachtheoretischen Traditionslinien knüpft Harsdörffer in seinem Text an (Lazius, Goropius Becanus etc.) und wie werden diese z. T. heterogenen Traditionslinien miteinander verbunden?
  • In welcher Beziehung steht das specimen philologiae germanicae zu den anderen Harsdörfferschen Texten (z. B. zu verschiedenen sprachreflektierenden Texten in den FrauenzimmerGesprächspielen)?
  • Zu welchem Zweck hat Harsdörffer diesen Text verfasst, da er doch sonst nahezu ausschließlich in deutscher Sprache (Stichwort Spracharbeit) publiziert hat? Welche zielgruppenspezifischen Textfunktionen können dem Text zugewiesen werden?
  • Wie und in welchem Umfang wurde das specimen philologiae germanicae von den Zeitgenossen rezipiert?

 Georg Philipp Harsdöffer (1607-1658)Georg Philipp Harsdöffer (1607-1658)

 Peristromata Turcica. Nürnberg 1641Peristromata Turcica
Nürnberg 1641
© CAMENA


  Peristromata Turcica. Nürnberg 1641

Peristromata Turcica
Nürnberg 1641
© CAMENA