Ältere Deutsche Literatur

DFG-Netzwerk "Legendarisches Erzählen im Mittelalter. Formen, Funktionen und Kontexte der deutschsprachigen Heiligenerzählung" (2015-2018)

Das wissenschaftliche Netzwerk will die mittelalterliche deutschsprachige Legendarik als zentrales Medium religiöser Kommunikation historisch und systematisch erschließen. Gegenüber bisherigen Versuchen, die Legende auf Basisstrukturen zurückzuführen, wird angestrebt, die Vielfalt legendarischen Erzählens als konstitutiv zu verstehen und als ein Wechselverhältnis von variablen Heiligkeitsentwürfen und flexiblen religiösen Funktionalisierungen darzustellen.

Daher stellt das Netzwerk, anstatt mit einem ontologischen Heiligkeitsbegriff zu operieren, die Frage in den Mittelpunkt, welches Spektrum von Heiligkeitsentwürfen legendarisches Erzählen entfaltet. Die Konstitution der Figur der/des Heiligen über bestimmte Identitäts- und Körperkonzepte ist hierfür ebenso von Bedeutung wie die narrativen Verfahren, mit denen Heiligkeit in unterschiedlichen Kontexten jeweils zur Geltung gebracht werden kann. Diese bestehen etwa in Figurenkonzepten von Mittlerschaft, Zeugenschaft und Teilhabe oder in Erzählmustern wie conversio, peregrinatio oder Trennung und Wiedervereinigung. Ihre Rekombination erlaubt zusätzlich je charakteristische Häufungen, Reihungen, Amalgamierungen oder Hybridisierungen von Heiligkeitsmodellen.

Die Frage nach unterschiedlichen Narrativierungs- und Medialisierungsformen von Heiligkeit wird, im Blick auf die jeweiligen historischen Produktions- und Rezeptionszusammenhänge, mit den Bedingungen religiöser Funktionalisierung enggeführt. Dies verspricht ein differenziertes Bild der diskursiven Flexibilität legendarischer Literatur unter ihren jeweiligen Geltungsbedingungen. Auf diese Weise soll, vor dem Hintergrund vormoderner (unter Einbeziehung der spätantiken Leitbilder und Vorlagen), bilingualer (in Wechselwirkung v. a. mit der Latinität) und interkultureller literarhistorischer Prozesse, nicht zuletzt auch die Spezifik der volkssprachlichen Heiligenerzählung im Mittelalter deutlich gemacht werden.

Mitglieder:

Dr. Maximilian Benz (Univ. Zürich)
PD Dr. Andreas Hammer (Univ. Köln)
Prof. Dr. Elke Koch (FU Berlin)
Dr. des. Nina Nowakowski (Univ. Zürich)
Dr. Stephanie Seidl (Univ. Stuttgart)
Dr. des. Johannes Traulsen (FU Berlin)
JProf. Dr. Julia Weitbrecht (CAU Kiel)